Mit ‘bakterielle Infektion’ getaggte Artikel



Eine Tätowierung mit Folgen

Mittwoch, 12. Oktober 2016

184827_web_R_K_B_by_Siegfried Fries_pixelio.de (2)Es war ein neues Bild mit einer Größe von sieben mal zwölf Zentimeter, mit dem eine alte Tätowierung überdeckt wurde. Eigentlich ist es nichts ungewöhnliches, wenn man sich ein Tattoo überstechen lässt, weil es einem nicht mehr gefällt. Der Mann war damals gerade 20 und lies sich das erste Mal tätowieren. Es verlief alles ohne Problem und auch jetzt war anfangs eigentlich alles gut gegangen. Er verließ Munter und zufrieden das Tattoo Studio.

Fünf Stunden später traten dann die Probleme auf. Zunächst war es nur der Arm, der um das Tattoo herum dick wurde. Die Haut zeigte außerdem eine Rötung. Und dann ging alles sehr schnell. Eine Stunde darauf musste er mit dem Krankenwagen in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Diagnose: Systemische Anaphylaxie, Schweregrad II. Es gibt eigentlich nur einen weiteren Schweregrade darüber, der für einen allergischen Schock gilt.

Der Mann war ansprechbar aber der Atem ging sehr schnell und der Blutdruck war hoch. Sein Zustand war in diesem Moment „potenziell lebensbedrohlich“. Die Ärzte haben ihn sofort mit einem Mittel behandelt, dass die Schwellung zurück gehen ließ. Zwei Tage nach der Einlieferung hatte der Körper des Mannes das Allergen ausgeschieden und es ging ihm endlich besser.

Die Ärzte, die den Fall behandelten, haben diesen in das „Deutsche Ärzteblatt“ geschrieben, denn es handelt sich hier um eine Gefahr, die in der Literatur der Wissenschaft bislang nur sehr wenig beschrieben wurde: allergische Reaktionen auf Tätowierungen mit einem systemischen Verlauf. Sprich, es ist nicht nur die Haut, sondern der ganze Körper betroffen.

Was genau war hier mit dem Mann passiert: Einfach erklärt: Er hatte eine allergische Reaktion. Aus diesem Grund ließen die Ärzte auch die Farben untersuchen, mit denen tätowiert worden war. Deren Inhaltsstoffe waren das Konservierungsmittel Formaldehyd, Kobalt, Nickel, Cadium und Mangan. Dadurch, dass Nickel, Mangan und Formaldehyd als Allergieauslöser bekannt sind, ist es naheliegend, dass einer dieser Stoffe die Allergie bei dem Mann ausgelöst hatte.

Alle Inhaltsstoffe der Farben werden unter die Haut gestochen. Selbst Bakterien, wenn sich diese in der Farbe befinden. Sprich, es ist selbst eine bakterielle Infektion möglich, wenn man sich Tätowieren lässt. Hat man viel Glück, dann bleibt es bei einer eitrigen Haut. In anderen Fällen kann diese bakterielle Infektion mit einem septischen Schock ebenfalls in einer Klinik enden.

Es ist in Deutschland nicht bekannt, wie oft Infektionen oder allergische Reaktionen vorkommen, weil solche Fälle nicht gesondert Dokumentiert werden. Risikobewerter haben „obligatorische Qualitätssicherungsmaßnahmen“ gefordert. Diese sollen nicht nur in den Tattoostudios, sondern auch bei den Tintenherstellern erfolgen. Das würde bedeuten, dass immer wieder Stichproben der Farben genommen und auf mögliche Bakterien untersucht werden würden.

Es ist nur einer von mehreren Fällen, der gezeigt hat, dass eine Tätowierung nicht immer unbedenklich verläuft. Schon bei ersten Anzeichen einer Allergie oder bakteriellen Infektion muss ein Arzt aufgesucht werden, damit Schlimmeres verhindert werden kann.

Bildquelle: © siegfried fries / Pixelio.de